Liebe Weinfreunde,

derzeit läuft im Web 2.0 eine spannende Aktion über Öko-Wein: Mehr als ein Dutzend prominente Wein-Blogger bekommen randomisierte Ökoweine aus ganz Deutschland und berichten darüber in ihren Blogs via einer offenen Verkostung. Master-Blogger und Tausendsassa Dirk Würtz hatte diese spannende Aktion vor einigen Wochen ins Leben gerufen. Ich habe das Glück, ebenfalls teilnehmen zu dürfen und freue mich schon, wenn meine Weine eintreffen, die ich dann gewohnt intensiv und gewissenhaft degustieren werde🙂

Euer Thommy

Liebe Weinfreunde,

ich habe es ja schon angedeutet, möchte es aber noch einmal näher ausführen: Ich mache mich nämlich bei allen die es hören wollen stark für eine etwas differenziertere Art von Wein-Bewertung, sprich Bepunktung! Weil ich diesen ganzen Zirkus satt habe, wonach man einen und immer denselben 20 bzw 100 Punkte Maßsstab verwendet, in den sich alle Wein-Stile einzuordnen haben und scheinbar miteinander vergleichbar sind.
Ich hingegen finde, man sollte für jeden Wein-Stil eine eigene (20 oder 100) Punkte Leiter verwenden!
Viele sehen die 100 Punkte Skala als ein Maß, wie „punchy“ oder druckvoll ein Wein ist. Kurioserweise gilt die Erreichbarkeit von maximalen 100 Punkten für Weine aus Deutschland lediglich für Süßweinspezialitäten gegeben. Dann gibt es nun den Trend im trockenen Weißwein-Bereich, über den trockenen Riesling Ersten/Großen Gewächsen noch ein oder manchmal gar zwei Super-Wein-Monster a la Goldkapsel trocken o.ä. zu kreieren. Diese landen dann, obwohl keine Süßweine, auch nahe am Maximum der 100 Punkte. Maximale Mineralität und Power ist schön und gut, aber Wein bleibt auf der Strecke, wenn ich das Gefühl habe, ein Stück Kreide zu verspeisen oder mir die Zähne an Granit auszubeissen.
Bessere Degustatoren nehmen oft noch das Wörtchen Balance in die Bewertung mit auf. Hier kommen wir der Wahrheit, so es sie beim Wein gibt, viel näher. Dennoch beobachte ich seit ein paar Jahren den Trend, dass das, was noch vor 10 Jahren ein gutes Großes Gewächs war und seine 94 Punkte abräumte und sich seitdem qualitativ nicht verschlechterte heute angesichts des Aufkonzentrierungswahns einiger Weingüter nur noch müde 89/90/91 Punkte bekommt.
Um bei der Sache zu bleiben: Beim Künstler Hölle Kabinett trocken aus dem Jahr 2009, der vom Decanter 19.1 Punkte bekam, was ulkige 95+ Punkte bedeutet, fiel es mir auf. Was wollten die Verkoster beim Decanter Magazine uns damit sagen? Dass sie noch nie einen druckvolleren Wein als den wirklich sehr guten Künstler Kabinett trocken getrunken hatten? Natürlich nicht. In einer Reihe mit den 10 besten Riesling Großen Gewächsen hätten sie sicher anders geurteilt.
Sie hatten bei der Bepunktung ein anderes Schema im Kopf: Dass dieser sowohl kraftvolle, als auch leichte, filigrane Kabinett trocken Riesling, denn dafür steht ja „Kabinett trocken“ manchen wohl einfach nahe an ihre Idealvorstellung von einem perfekten Riesling kam, ungeachtet der vergleichsweise harmlosen Power und der beim 09er Künstler Hölle nicht unbedingt gegebenen Harmonie, schon gar nicht so jung in den Jahren. Hiermit haben sie allerdings eine Parallel-Leiter verwendet: 95 Punkte auf der „Riesling wie ich ihn mag, ich mag eh nicht so wuchtige Große Gewächse“ -Skala. Oder 95 Punkte auf der Riesling Kabinett trocken Skala.
Ich finde das gut! Warum Äpfel mit Birnen vergleichen? Ganz ehrlich, wenn ein Gutsriesling trocken von seriöser Seite her 90 Punkte erreicht machen wir uns sogleich das Lager voll, weil wir bewußt oder unbewußt denken: In dieser Kategorie, welche nicht besser oder schlechter ist als andere Kategorien wie „Großes Gewächs“, nur Anlaßbezogen im Raum-Zeit-Kontinuum besser oder schlechter geeignet, ist es ein 100 Punkte Wein. Ein unkomplizierter, harmonischer Riesling, bei 90 Punkten sicher recht rassig und eventuell sogar mit nem Hauch mineralischer Herkunft gesegnet – das Optimum, wenn ich grad nach einem Wein solcher Kategorie suche. Versteht ihr, was ich meine?
Die Wein-Kritiker könnten umdenken, und der Konsument, der sonst bei Gault Millau und Co nur dumm aus der Wäsche kuckt, wüsste was Sache ist. Beispiel gefällig?
Weingut Künstler Riesling Hochheimer Hölle Kabinett trocken:
-90 P (übergangsweise noch im alten Schema eingeordnet)
…besagt, dass dies ein wirklich guter Riesling Kabinett trocken sein muss, da 90 P sonst eher den Spätlesen trocken und Großen Gewächsen vorbehalten sind.
-95 P (Riesling Kabinett trocken)
…besagt, dass, vergliche man nur alle existierenden Riesling Kabinett trocken, dieser hier ganz weit oben mit dabei ist.
-99 P (Rheingau Riesling Kabinett trocken)
…besagt, dass dies einer von 2-3 bestmöglichen Riesling Kabinett trocken aus dem Jahr aus dem Rheingau sein muss.
-100P (Verkoster-Präferenz)
…besagt, dass der Verkoster zum einen bei Rieslingen die Kabinett trocken Sparte bevorzugt und zum anderen einen Narren an diesem speziellen Wein gefressen hat.

Wie findet ihr den Ansatz? Das ganze ein bißchen normieren, und schon hätte man ein einfaches, besseres und präziseres Bepunktungstool.

Naiv-Mathematisch sähe mein Ansatz so aus: Anstatt jede Bepunktung auf die schwammige Unendlichkeit aller Weine die es jemals gab und je geben wird zu beziehen, bezieht man Punktezahl X einfach auf eine klar definierte Menge an Vergleichsweinen Y. Dies zwingt zum Umdenken. Wenn gezwungen, anzugeben, worauf sich der Verkoster bezieht, wird er aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen und vernünftig beginnen zu bewerten. Auch die völlig normale und legititme Subjektivität einer Bewertung kann so ganz offen herausgestellt werden.

Durchdekliniertes Übertreiber-Beispiel zum warm werden:

Chateau Margaux JG 200X:
-92P (gemessen an unendlich)
-96P (Bordeaux Rotwein)
-97P (Bordeaux linkes Ufer)
-98P (Bordeaux linkes Ufer JG 200X)
-93P (Cabernet-lastige Cuvees aorund the world)
-0 P (Eiswein)
-100P (was meinem Opa geschmeckt hätte)

So hatte der Künstler Hochheimer Hölle aus dem Jahr 2009 sicher 95P, wenn nicht gar 100P verdient – wenn man ihn mit seinesgleichen vergleicht und das Schema offenlegt, das man bei der Bepunktung im Kopf hatte.

Liebe Weinfreunde,

ist schon toll, was sich gerade auf dem Sektor des Online-Weinmarktes tut. Da sprießen einerseits hochspezialisierte Nischenhändler wie unsereins wie Pilze aus dem Boden, bieten speziell abgestimmten Service für spezielle Weinwünsche. Andererseits formieren sich Deutschland (wein-)weit agierende Internet-Plattformen wie wir-winzer.de oder jüngst auch die Jungs von Vicampo.de und treten in kameradschaftlichen Wettstreit zueinander. Den Konsumenten wird es freuen, ist ihm auf die Art ein faires und attraktives Angebot garantiert. Genial: Die besten deutschen Weine rund um die Uhr zum Shoppen und dafür nicht mal mehr das Haus verlassen müssen. Auffällig ist, dass gerade jetzt zu diesem Thema gleich mehrere Start-Ups an den Start gehen. Angesichts des überaus einleuchtenden und griffigen Konzepts stellt sich die Frage, warum diese Marktlücke nicht schon viel eher geschlossen wurde. Die Zeit wird zeigen, ob der stetig wachsende Online-Wein-Markt Raum genug für mehrere Marktteilnehmer bieten kann oder ob sich in ein paar Jahren eines der Teams durchsetzen wird.

Gute Karten hat dann das Team von Vicampo.de. Sie überzeugen mit einer frischen, übersichtlichen Homepage, einer transparenten Wertschöpfungskette, einfacher Menüführung. Besonders aber sticht ihr Angebot hervor. Kein anderer Wettbewerber kann auf ein so beeindruckendes und ständig wachsendes Winzer-Portfolio bauen wie das erfolgreiche Gründerteam rund um die Brüder Felix und Max Gärtner, die Ihr unternehmerisches Können bereits seit 3 Jahren bei der Weinwelt Rheingau unter Beweis stellen. Es ist anzunehmen, dass die Vielfalt des Angebots es sein wird, die den Konsumenten und Weinliebhaber am Ende am ehesten zu fesseln weiß.

Das Konzept ist einfach: Winzer an die Macht! Mittels einer Demokratisierung der Weinwelt werden hier Deutschlands beste Winzer professionell und zeitgemäß auf einer Plattform vereint. Die Bestellung wird von Vicampo.de direkt an den Winzer weitergeleitet, der die Weine packt und verschickt. Besondere Nähe erschafft man bei Vicampo.de durch die vielen und überaus gelungenen Winzervideos, wie dieses hier mit Stefan Winter, der sein Weingut vorstellt. Unglaubliche Mühe hat man sich mit einer beinahe enzyklopädischen Informationsauswahl gegeben. Fraglich, ob diese Genauigkeit der Darstellung jemals im stationären Fachhandel erreicht werden kann. Je nach Gemütslage kann man also einfach nur so nach Herzenslust Wein shoppen oder aber tiefer in das Thema einsteigen und zum Experten werden. Schnelle Lieferung und kompetenter Service via e-mail oder Telefon runden das Paket ab.

Ich muß gestehen: Auch ich habe schon bestellt und war mit dem Service sehr zufrieden. Als Wein-Experte ist es inspirierend, sich mit solch einer kompetenten Weinauswahl zu konfrontieren. Man entdeckt dann doch immer mal wieder etwas Neues, was man unbedingt mal probieren muss. Vicampo.de – der Gault Millau unter den Online-Weinhändlern. Einziges Manko ist, dass man wenn man Einzelflaschen von mehreren Winzern bestellt Versandkosten je Winzer zahlen muss. Das wird aber dadurch wie ich finde mehr als ausgeglichen, dass der Versand je Weingut ab nur 12 Flaschen bunt gemischt schon komplett entfällt. Und jetzt muss ich aufhören darüber zu reden, sonst bestell ich gleich wieder bei denen und das obwohl mein Weinkeller aus allen Nähten platzt.

Schlusspunkt wäre: Versucht mal in Portugal was anderes als portugiesischen Wein zu kriegen. Fast nicht möglich. Und in Deutschland? Gibt es Merlot’Doc, Shiraz und Chardonnay in jedem Bistro, aber kaum einer kennt unsere Spitzenrieslinge bzw. weiß, was für ein geniales Preis-Genussverhätltnis die bieten. Oder nehmt unseren Spätburgunder. Von Silvaner, Scheurebe, Lemberger, unseren regionalen Schätzen gar nicht erst zu reden. Ich mag ausländischen Wein sehr, finde es aber einerseits bedenklich, wie wenig ein Land eigene Produkte konsumiert angesichts ihrer mitunter brillianten Qualität – man denke auch an food-miles -, andererseits kann man dem Team von Vicampo.de nur dafür danken, dass das bei DEM Angebot wohl nicht lange so bleiben wird!

Liebe Weinfreunde,

soeben bin ich glücklich und voller neuer Eindrücke von zwei hochinteressanten Jahrgangspräsentationen der Kollektion 2010 zurückgekehrt. Ich hatte das große Privilieg, den Jahrgang 2010 auf Schloss Vollrads und im Gutshaus Östrich-Winkel bei den Weingütern Wegeler frisch verkosten zu dürfen.

Fazit könnte lauten: Man bleibt sich treu! Beziehungsweise man entdeckt alte Stärken neu. Man hält die Meßlatte oben, wie ihr wollt. Die Rede ist natürlich von dem „Säuregespenst“, das viele Kellermeister angesichts des Jahrgangs 2010 plagte. Wie viele Profilierungswütige Möchtegern-Weinjournalisten zunächst propagierten, war 2010 im trockenen Bereich nämlich nicht unbedingt ein Grotten-Jahrgang, allerhöchstens was die Menge angeht. Ein wie sich jetzt herausstellt mäßiger Jahrgang, ein wahrer Winzerjahrgang, wo das feine Händchen des Winzers bei der Lese und später im Keller den Unterschied machte.

Zugegeben, auch ich war von 2010 zunächst ziemlich genervt (wenn man sonst keine Probleme hat…): Auch beim ein oder anderen Top-Betrieb kamen teils unsaubere Qualitäten auf die Flasche, Botritis-gebeutelt (also die nach muffigem Champignon, nicht die fein nach Pralinee und weißer Schoklade duftende) und durch planlose Entsäuerungsaktionen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt: dumpf, breit, beliebig. Das Negativ-Gegenteil hierzu wurde jüngst von Mr Stuart Pigott in der FAS vom 1.5. schön beschrieben. Grob paraphrasiert: Kratzig, bissig, bittere Säuerlinge. Allzu präsent waren die übermächtigen Erinnerungen an die letzten 3 Verwöhn-Jahrgänge. Mit beiden Extremen musste ich mich am heutigen Tag nicht herumschlagen.

Schon als mich Dr. Hepp auf Schloss Vollrads mit strahlendem Lächeln begrüßte, da wußte ich: der blufft nicht! Für mich einer DER Riesling-Versteher im Rheingau. Seine Meinung zählt für mich was, weil ich ihn persönlich sehr schätze und sein Fachwissen bewundere. Und tatsächlich. Die QbA Qualitäten waren rund und harmonisch wie eh und je, und ab Kabinett aufwärts durfte ich strahlende, rassige und filigrane Rieslinge probieren, die sich weit über das Schreckgespenst des Jahrgangs erheben und wie ein Fels in der Brandung für reinen Riesling-Genuss stehen. Schloss Vollrads, das ist selten laut und poppig, sondern Balance, Reinheit und Finesse. Und die war wirklich bei jedem Wein zu merken. Besonders hervorheben möchte ich neben dem Riesling Kabinett trocken die Fassprobe der Spätlese trocken. Wenn sich der Wein diese Brillianz und Herzhaftigkeit, Würze und Präzision beibehält, gerne mit üppiger Säure, dann dürften Riesling-Fans noch Jahrelang Spaß mit diesem Traditionswein haben. Ich persönlich brauche dann auch kein Erstes Gewächs mehr, wo man als Winzer immer versucht, von allem möglichst viel zu machen. Dieser authentische Wein war jedenfalls genau mein Ding.

2010: im edelsüßen Bereich eh ein hochinteressantes Thema. Die Weine haben bis zu 20 g/L Säure. Ja Ihr habt richtig gelesen. Beerenauslesen wurden auf „nur“ 16 g/L runterentsäuert. Eine Zitat „wahnsinnige Säure“, die wach macht, die das Gesicht zu einem masochistischen Lächeln verzieht. Jaha! Aber trinkt die mal in 20 Jahren. Wie quicklebendig die dann sein werden, mit all den tollen Reifearomen dekoriert. Hier bahnt sich Großes an. So z.B. die Vollrads Beerenauslese oder auch der Eiswein. Die Auslese dürfte eine nicht ganz so lange Halbwertszeit besitzen, macht aber schon jetzt Freude durch ungemeine Saftigkeit, Balance und eben wieder diese Reintönigkeit, die ja in 2010 spärlich gesäht ist.

Ich spare mir weitere Ausschweifungen über das tolle Ambiente auf Schloss Vollrads, den wunderbaren (eigentlich Sommer-) Tag und die Gastgeberqualitäten der versammelten Mannschaft von Schloss Vollrads sowie das Spargelmenü und schwenke nahtlos über zum zweiten Programmpunkt des Tages: Weingüter Wegeler, d.i. die 2010er Kollektion aus dem Rheingau nebst Mosel. Abgerundet wurde die von vielen Raritäten gespickte, hochklassige Probe durch die Präsenz von Weingut Krone aus Assmannshausen. Einigen von Euch dürfte der Name geläufig sein. War eigentlich immer mit dem gleichnamigen Restaurant verknüpft, nun seit ein paar Jahren davon unabhängig, junge Mannschaft, großes vor, gut vorgelegt.

Doch nun zu Wegeler. Köstliche Rheingau-Rieslinge, echte Benchmark-Weine darunter, Lagencharakter. Weine,  die einen nicht erst geschmacklich durchs Dornengestrüpp zerren, um sich verständlich zu machen. Dies ist auch 2010 so geblieben – allerdings hat man jetzt den sehr löblichen und auch folgerichtigen Weg eingeschlagen, sich nicht von der Panikmache anstecken zu lassen. Hier wurde nicht auf Gedeih und Verderb entsäuert. Verkosten durfte ich z.T. extraktreiche Weine von guter Fruchtintensität, die vor jugendlicher Säure teils nur so strotzen. Die Langweile, die sich sonst hier und da in Verbindung mit JG 2010 eingestellt hat, blieb mir hier erspart. Der QbA trocken wirkte noch ein wenig ungestüm, ist aber auf einem guten Weg. Das Lenchen Kabinett trocken ist sicherlich der beste Wein seiner Art aus dieser Traditionslage in 2010. Vorfreude macht sich breit auf den 2009er Geheimrat J Spätlese trocken, der noch ein wenig Zeit braucht, um seine reife Noblesse zu entwickeln, die man mit dieser Marke verbindet. Hasensprung Spätlese trocken gut. Spannend und hochklassig auch die restsüß ausgebauten Weine: Joh. Hölle Kabinett feinherb: noch verschlossen in der Nase, bringt alles mit, was man sich für solch einen Wein wünscht. Echtes Highlight der Berg Schloßberg Kabinett fruchtsüß, blanker Irrsinn der Geisenheimer Rothenberg Riesling Beerenauslese. Well done! Guter Eindruck, rafinierte, langlebige Weine, die sein dürfen, was sie sind: Riesling, frisch, hochaperititiv und reintönig.

Zur Moselkollektion sage ich nichts, aus dem einfachen Grund, dass sich andere da besser auskennen. Weingut Krone für mich ein echter Hinkucker: Riesling, der sich das Attribut mineralisch echt verdient hat, BSA-röstige Weißburgunder aus dem jungen großen Holzfass a la Kinnlade geht runter: „wtf! was haben die denn geraucht?“ und natürlich Premium-Spätburgunder, der mich fesselte, Stichwort 2007 JUWEL oder auch der Lagenklassiker Assmannshäuser Höllenberg. Fein fein, hier und da noch ein wenig mehr Säurekick und Seidigkeit am Gaumen und ihr könntet meiner Pinot-Ikone von und zu Kesseler echt auf den Pelz rücken. Konnte jedenfalls gut mit dem Steak mithalten, und war zur Käsevariation eine wahre Freude.

Vielen Dank an unsere Partner und Freunde auf den Weingütern – weiter so!

Liebe Weingenossinnen und Genossen,

soeben bin ich aus tiefem Schlaf erwacht, nachdem ich gestern auf der Prowein 2011 mein Unwesen getrieben habe. Es folgen einige halbverdaute und brandaktuelle Impressionen von Deutschlands wichtigster Fachbesucher-Weinmesse. Lest noch heute, was andere Euch erst Übermorgen zu berichten imstande sind. Lehnt euch zurück und gewinnt wertvolle Einblicke in das Wesen einer Profimesse, während diese heute und morgen in Düsseldorf noch unvermindert hart anbrandet.

Vorab: Der erste und der letzte Probierschluck, der seinen Weg in meinen goldenen Magen gefunden hat und nicht achtlos in einen Spuckkübel abgeseiert wurde, war Biodyn-Gott Joly’s Coulee de Serrant. Dazwischen waren noch ein paar andere köstliche Impressionen, die meinen Schuckreflex animierten. Aber das meiste habe ich zwar degustiert, aber nicht genossen. Und das hatte Gründe. Ich wollte nicht so enden wie die mit roter Nase und glasigen Augen unrund durch die Gänge staksenden Wein-Zombies, mechanisch von Weinstand zu Weinstand eiernd, hunderte Weine trinkend aber sich am Ende an keinen davon erinnernd. So hielt ich mich an meine eiserne Regel: Keinen Wein vor 15 Uhr!🙂

Wen du auf die Prowein kommst, in die heiligen Hallen des Wein-Olymps, dann musst du einen Plan haben. Einen guten Plan. Sonst gehst du unter in dem Rebsaftmeer, trinkst zweitklassige oder unrepräsentative Weine, und das nur deshalb, weil ein anderer meinte: Eyyy du auch hier, pass auf, den hier musst du uuunbedingt mal probieren! Der Unterschied zwischen dir und ihm: Er probiert sich seit drei Stunden durch die Niederungen spanischer Weinperipherie und wird am Ende eine Doktorarbeit darüber schreiben können. Du aber probierst alles und nichts.

Hier war mein Plan: focus fire auf a) Biodyn, b) Spaniens unbekannte Regionen und Rebsorten c) Schaumwein und speziell Champagner d) and nothing more. Klingt wenig? Klingt komisch? Nun ja, ich hatte „nur“ 6 Stunden Zeit – selbst diese drei Punkte waren eine organisatorische Herausforderung.

Hier nun meine Ergebnisse, kurz und knackig, mit der heißen Nadel gestrickt, ebenso beliebig wie lebendig.

Biodyn: Groß angekündigt gab es in der freien Verkostungszone die Gewinnerweine der vor kurzem abgehaltenen „Biofach“. Unter der Überschrift „Können Bioweine mit konventionellen mithalten und gibt es große Unterschiede in der Stilistik?“ Wunder oh Wunder, sie konnten mithalten. Ich weiß nicht, was sich die Leute vorstellen. Aber worin bitte soll es bestehen, dieses ominöse stets gleichbleibende ökölogische Störgeräusch bei biologischer Weinerzeugung. Biowein ist eben nicht gleich Spontanvergorener Biodyn-Wein! Und so war er schön knackig und typisch, der Brut Zero Cava für 7,50 EVP. Geiles Teil, hätte ich gleich ein paar Kisten für gelegentliche Aperitifs mitgenommen. Dann gabs ein bißchen Deutschland, was ich gekonnt übergangen habe. Ach nee, da war dieser Odinstal Riesling, gleich neben dem Gewinner-Wein mit großem Gold der Biofach, dessen Name mir entfallen ist. Gute Rieslinge, aber alles andere als Geheimtippmäßig bepreist. Dann war ich noch positiv überrascht, in der Reihe noch einen hochwertigen Bio-Grüner-Veltliner von Jurtschitsch zu finden. Super Veltliner – nicht die Pfefferl-G’schicht, die cremige, voluminöse Art, die mit unseren deutschen GG’s/EG’s durchaus mithalten kann, was die Substanz angeht, nur halt anders in der Aromatik.

Dann war ein bißchen Zeit: Klare Sache: Ein paar Prosecco Spumante DOC’S mussten her. Und ja, man merkt den Qualitätsaufschwung bereits im unteren Preissegment. Prosecco hat mit der neuen Regelung wirklich gewonnen. Und die 1,49 Euro vom LIDL Prosecco Vernichter können schön wieder ins untere Regal zu ihrem Kellergeister Perlwein greifen.🙂

Sauvignon Blanc habe ich keinen getrunken. Wenn, dann hätte ich aber welchen aus der Steiermark oder Südtirol probiert.

Danach vage „nach Spanien“ flaniert. Irgendwo musste doch der Stand sein, wo David Schwarzwälder einen Vortrag über die Renaissance als Qualitätsweinbaugebiet Castilla-La Mancha hält. Ach da, eine nette Dame hat uns reingewunken. Und hier kam dann auch schon das erste Highlight der Messe auf uns zu, unbeholfen eingeschenkt von einem der spanischen Lakaien am Wein aus Spanien Promo Stand. Mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehrkugelhagels führte Spanien-Experte David, den ich noch aus meiner Studi Zeit aus Geisenheim kannte, durch eine Reihe von hochinteressanten, aber nicht allesamt hochklassigen Weinen.

Aber das war ja genau das Ding: Bei diesem Proweinbesuch wollte ich mit aller Macht ausbrechen aus dem Gefängnis der Gleichmacher-Wein-Industrie. Goodbye Mr. Parker. Ihr kennt die Debatte. Ich wollte leben spüren unter der Oberfläche austauschbarer Massenware. Und es ist mir scheißegal, ob dieser Merlot für 200 Euro aus Pomerol oder Toskana stammt – oder Bulgarien oder Australien oder sonstwoher – schmecken kann man es eh kaum noch.

Zurück zur La Mancha: Neulich noch von einem Petit Verdot aus Südafrika von Raka für 15 Tacken hoch enttäuscht und diese Rebsorte als nicht umsonst außer Mode gekommene Bordeaux-Verschnittrebsorte von anno dazumal abgetan – und dann kommt dieser Teil von Bodegas Ayuso „Finca los Azares“ 2005 für lass es 10-12 Euro geschätzter EVP sein und haut mich um. OK, stumpfe Tannine. Aber diese Würze… und dieses Spiel am Gaumen! Star der Probe war jedoch der Syrah von Encomienda de Cervera „Maar de Cervera“ 2008 für um die 12 Euro EVP. D. Schwarzwälder wird nicht müde, Cabernet Sauvignon eine generelle Unverträglichkeit im spanischen Weinbau zu bescheinigen, zumindest was dieses hot climate Höhenlagen-Modell angeht wie in Castilla La Mancha. Syrah mit kurzer Veggie-Periode und Hitzeresistenz ist hingegen DAS Pferd, auf das er setzen würde. Ohne Witz, in der Probe waren 3-4 dieser Geschosse vertreten und alle haben auf die eine oder andere Art Eigenständigkeit und großartige Kompatibilität zum hinterher gereichten Manchego-Käse bewiesen.

Aus Gründen thematischer Geschlossenheit ziehe ich noch meinen Pares Balta Messestandbesuch vor: unter @winelaundry ist sie auch bei Twitter zugange, die reizende und kompetente Barbara Siemianiuk. Sie hat uns dieses hochinteressante Familienunternehmen mit Weingütern in Priorat, Ribeira del Duero, Penedes, … nähergebracht – hey das ist normal für spanische Verhältnisse – und uns von der hohen Qualität der Produktpalette überzeugen können. Möge Pares Balta ein weiterhin erfolgreicher Auftritt am deutschen Markt vergönnt sein.

Schon komisch, dass mein obligatorischer Besuch am Grand-Cru-Select Stand meiner ehemaligen Kollegen von WeinArt.de und das damit verbundene Bollinger-Tasting NICHT das Highlight des Tages war. Am Champagner lags jedenfalls nicht. Mein Favorit war wie immer der weiße Grand Annee, wenn auch der Special Cuvee sicher ein noch besseres Preis-Lesitungsverhältnis bietet. Stark auch der Grand Annee Rose 02, dem die knackige Säure und eminente Cremigkeit eine beachtliche Durchschlagskraft bescherte.

Den Mädels in unserer Gruppe geschuldet kam es dann zu einem regelrechten Champagner-Exzess… Thienot, Carnard-Duchene, … und schließlich landeten wir ausgerechnet wegen Champagner auch am Vinaturel.de Stand. Dort erstmal 8-9 Biodyn Cremants und Champagner verkostet. Mein Favorit war hier der „Bulles de Roche“ von Domaine de Roches Neuves Cremant de Saumur. 16,50 EVP – gleich mal zuschlagen Leute, sowas habt ihr noch nicht getrunken. Ich meinte zu der Dame: Bitte so urig und unverständlich wie möglich. Mit diesem Teil traf sie dann auch sogleich meinen Geschmack, sehr zum Unverständnis meiner Kolleginnen und Kollegen. Aber ich war ja auf Anti gepolt und auf dieser non-mainstreamigen Mission.

Dann kam es zum Eklat. Inmitten des wohl geilsten Proweinstandes der Messe (Vinaturel), im Schrein des Biodyn, posaunte ein Kollege: Biodyn-Weine, die sind doch alle nur unreifer Apfel, Böckser und sonst nichts. Egal woher das Zeug kommt. Er wurde dann sogleich von der aschefahl gewordenen armen Messedame zum Hühnenhaft anmutenden Olivier Humbrecht vom Elsässer flammend verehrten Super-Riesling-Biodyn-Weingut Zind-Humbrecht weitergeleitet. Dieser sanfte Riese dann ganz im Sinne seiner Mission völlig cool seine ganze Palette präsentiert.

Und schon nach Humbrechts Basis-Riesling „Terroir d’Alsace“ war ihm seine Aussage wohl ein bißchen unangenehm. Humbrecht musste niemandem etwas beweisen, und so entflammte ein spannender Spaziergang durch die kräuterüberwucherten altehrwürdigen Streuobstwiesen Elsaß-Lothringens.😉

Dann war der Coulee de Serrant endlich an der Reihe. Virginie Joly, Tochter der Biodyn-Papstes Nicolas Joly, war so freundlich, den 09er dieses sagenumwobenen Chenin Blancs aus Savennieres zu erklären: Warum 15einhalb? Nunja, wir erleben auch an der Loire diesen Klimawandel, und da wir dennoch dabei bleiben, die physiologische Reife abzuwarten, und der Wein bis zu einem Jahr am Gären ist, kommen dann so hohe Alkoholwerte dabei raus. Meine lieben Leser, so einen Wein trinkt man in seiner Jugend am besten gar nicht, und wenn man doch dazu gezwungen ist, dann bei 14-15°C und genügend Luft. Keine Angst, Biodyn-Weine fallen nicht so leicht auseinander. Ich bin kein Öko-Jünger, aber ich habe dutzendfach erlebt, dass sich solche Weine nach 2-3 Tagen offen im Kühlschrank bestens weiterentwickeln, während die Kaltgärer Reinzuchthefler dann schon überreif und platt sind. Die haben Substanz, sind leicht und wuchtbrummig zugleich und zumindest der 09er CdS dürfte noch 5-12 Jahre Flaschenreife benötigen, um sich von seiner schönsten Seite zu zeigen. Erstaunlich aber, wie er aber mal absolut das Fleisch hatte, diese 15einhalb Volt in die Tasche zu stecken. Er war einfach on top und daher mein Highlight der Prowein.

Es folgte das Übliche: Einen Cognac XXXXXXXO zum Abschluss, zum Taxistand hetzen und dann ab in den Zug. Zug ist bei sowas ganz Pigott-esque eigentlich immer mein Mittel der Wahl, aus nachvollziehbaren Gründen, auch wenn es gar nicht mal so hart zuging, wie ihr an diesem hoffentlich einigermaßen verständlichen Artikel bestimmt sehen könnt.

Bis dahin,

Euer Thommy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Weinfreunde,

schaut mal, was der Presseverteiler von Deutschlands wichtigster Wein-Plattform www.wein-plus.de gerade rausgerockt hat. Eine tolle Aktion, oder?

Wer Wein kauft, kann Bäume pflanzen

WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ-Siegel für CO2-neutralen Weinversand

Erlangen, 26.01.2011 – Wer Wein kauft, kann ab sofort aktiven Umweltschutz leisten. Dazu hat das Wein-Netzwerk Wein-Plus das Siegel “WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ” entwickelt, das an Weinlieferanten vergeben wird. Dieses neue Siegel ermöglicht und garantiert den klimaneutralen Versand von Wein zum Verbraucher.

In Zusammenarbeit mit der Klimaschutz-Agentur CO2OL hat Wein-Plus für den Versand jeder Art von Weinpaket einen „CO2-Fußabdruck“ erstellt. Dieser Fußabdruck ist die Menge an Kohlendioxid, die anteilig bei Transport und Auslieferung des Kartons etwa von Flugzeug, Lkw oder Bahn erzeugt wird. Bestellt der Kunde bei einem Weinversender, der das “WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ”-Siegel trägt, wird der unvermeidliche CO2-Ausstoß für den Versand kompensiert, indem neue tropische Mischwälder zur CO2-Bindung gepflanzt werden. Die errechnete CO2-Menge wird dabei umgerechnet in einen kleinen Geldbetrag, der in einen Fonds für ein Aufforstungsprojekt in Panama fließt.

“Für das Klima ist es egal, wo neue Bäume wachsen – Hauptsache, sie wachsen”, erklärt Utz Graafmann, Geschäftsführer von Wein-Plus und Initiator der groß angelegten Klimaschutzinitiative für die Weinbranche. “Wein als Naturprodukt ist vom Klimawandel in besonderer Weise betroffen. Daher müssen Weinanbieter und Weingenießer auch eine besondere Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen”, so Graafmann. Mit dem “WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ”-Siegel helfen Weinhändler, Erzeuger und Verbraucher gemeinsam mit, das Klima nicht weiter zu schädigen. Die Kosten übernimmt der zertifizierte Lieferant.

“Natürlich geht es in erster Linie darum, den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermeiden”, sagt Graafmann. “Der unvermeidbare Anteil wird durch die Baumpflanzungen ausgeglichen, so dass das Siegel als Garant für einen komplett CO2-neutralen Versand steht.” Die Website www.wein-plus-klimaschutz.de informiert ausführlich über die Bedeutung des Siegels und die Art der Ausgleichsmaßnahmen. Die Initiative soll schon bald die gesamte Wertschöpfungskette von der Weinerzeugung über den Versand bis zum Konsumenten umfassen. Dazu arbeiten Wein-Plus und CO2OL bereits an einem Fußabdruck und einer Kompensationsmaßnahme für die Weinproduktion.

Auch Wein-Plus selbst hat sich als Unternehmen prüfen und zertifizieren lassen. Wo möglich, wird der Anfall von Treibhausgasen reduziert. So wird für alle Server im Rechenzentrum und auch für den Bürobetrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien gearbeitet. Abläufe wurden für einen besseren Klimaschutz optimiert, das verbleibende CO2-Aufkommen wird neutralisiert. Darin eingeschlossen sind auch Goowei.de, die von Wein-Plus in Kooperation mit Google betriebene Internet-Suchmaschine für Weinliebhaber, sowie über 100 E-Commerce-Plattformen, die Wein-Plus für Weinhändler betreibt.

Weitere Informationen:
www.WEIN-PLUS-KLIMASCHUTZ.de
www.CO2OL.de

Über CO2OL
CO2OL ist eine Beratungs- und Dienstleistungs-Agentur für betrieblichen Klimaschutz und ein Geschäftsbereich der ForestFinance Gruppe. Bereits seit 1998 bietet CO2OL als Spezialist für klimaneutrale Events, Meetings, Hotels und Unternehmen  Beratung, stimmige Konzepte sowie konkrete Lösungen und Produkte zur effektiven Umsetzung von Klimaschutzstrategien.
CO2OL bietet individuelle Beratung und praktische Lösungen in den Bereichen GreenCongress (Veranstaltungshäuser, Locations), GreenMeeting (Business-Events und Konferenzen), GreenEvents (Sportevents, Konzerte, Festival), GreenHotel (Hotels und Tourismusdestinationen) sowie GreenMobility (inkl. Logistik, Warenversand). CO2OL ist außerdem Initiator und Partner des Kompetenznetzwerks mygreenmeeting.de

Über Wein-Plus
Wein-Plus ist Europas führende unabhängige Internet-Plattform zum Thema Wein. Das schnell wachsende, offene Informations- und Kommunikationsnetzwerk für mehr als 230.000 registrierte private und professionelle Weinliebhaber wurde 1998 gegründet und wird täglich von über 6.000 Menschen genutzt. Sie können sich über Wein informieren, Kontakte knüpfen, Unterstützung finden und ihr Weingeschäft fördern. Mit werktäglich aktualisiertem Weinführer, Magazin, Weinglossar, Weinfahnder und vielen weiteren Rubriken umfasst Wein-Plus über eine halbe Million Internetseiten. Die Plattform bringt Fragen und Antworten, Angebot und Nachfrage zusammen. Über 1.200 Profimitglieder haben sich unter dem Dach des Netzwerks zusammengeschlossen und nutzen zahlreiche Business-Vorteile, die sich durch die Bündelung von Einkaufsmacht ergeben. So ist Wein-Plus beispielsweise einer der größten Rahmenvertragskunden von UPS mit einem Versandvolumen von über einer halben Million Weinpaketen pro Jahr. Ziel dieser Interessensbündelung sind auch bürokratische Hilfen, etwa im Bereich der Verpackungsverordnung, der Biozertifizierung oder der Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Online-Shop.

Liebe Weinfreunde,

bei frühlingshaftem Wetter hier in Wiesbaden (nur eine Facette des hiesigen Chaos-Winters) habe ich wie erhofft die Zeit, um endlich mal über mein persönliches Wein-Event-Highlight 2010 zu berichten: Das Internationale Riesling Symposium 2010. Einige werden vielleicht gar nicht wissen was das ist – ich wusste es selber nicht, bis Wilhelm Weil vom Weingut Robert Weil uns freundlicherweise dazu eingeladen hat. Suchte man nämlich im Vorfeld im Netz danach, stiess man nur auf gähnende Leere. Aber das Geheimnisvolle hat mich ja schon immer magisch angezogen. Stattgefunden hat es am 11. und 12. November im Kempinski Hotel Schloss Reinhartshausen – einer traumhaften Location.

Die endlosen Weiten eines Tasting-Rooms

Die endlosen Weiten eines Tasting-Rooms

Das IRS ist ein kleines, feines Event in exquisiter Athmosphäre. Teilnehmen darf man nur auf Einladung, die Teilnehmerzahl schätze ich mal auf etwa 200. Zugegen war das who is who deutscher und weltweiter Riesling-Prominenz: Winzer, Kritiker, Experten, Journalisten, Sommeliers, Gastronomen, Händler… Welch‘ Ehre war es da, dabei sein zu dürfen. Zweck der Veranstaltung war ein Erfahrungs-, Wissens- und Meinungsaustausch zahlreicher Riesling-Größen „unter sich“. Auch dem Renommee des Rieslings sowie dem Ansehen des Rheingaus bei internationalen Entscheidern hat dies sicher nicht geschadet. Es gab ein geniales Büffet. Der Service war genauso aufmerksam wie unauffällig und freundlich – kaum hatte man seinen benutzten Teller abgestellt war er auch schon vom Erdboden verschwunden. Die Dessert-Auswahl umfasste alleine etwa 15 Tortenvariationen – jeder kann sich das wahre Ausmaß der Schlemmerei sicher gut vorstellen. Eine Dekadenz, der ich bei aller Dankbarkeit angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr 3 mal soviel Lebensmittel weggeworfen werden wie der weltweite Hunger beträgt und ich nicht wissen möchte, wieviel davon anschließend in der Tonne gelandet ist, nicht nur positive Seiten abgewinnen kann.

Perfekt!

Perfekt!

Im Zentrum des Geschehens standen zahlreiche Vorträge – unter anderem ein sehr gelungener zum Thema „Riesling – früher, heute, morgen. Eine wissenschaftliche Betrachtung von Klima, Weinbergslage und weinbaulichem Management“ von meinem ehemaligem Geisenheimer Professor und weltweit anerkannter Önologie-Koryphäe Prof. Dr. Hans-R. Schultz. Dann gab es noch die herausragenden Tastings – und ein solches möchte ich auch besonders besprechen, weil es bisher das absolute Highlight meiner Weinkarriere darstellt. Das lag nicht zuletzt an unserer grandiosen Verkostungsleiterin.

Christian Witte, Max Gärtner und ich

Christian Witte, Max Gärtner und ich

Nach so einer Ankündigung kann es sich eigentlich um keine andere handeln als Jancis Robinson, MW aus London. Sie moderierte völlig unaufgeregt, hoch-präzis und überaus unterhaltsam die Weinprobe „Alterungspotential des Rieslings“. Hinter diesem sachlichen Titel verbargen sich nicht weniger als 22 Top Rieslinge, atemberaubend gereift – allesamt ein Erlebnis. 90 Minuten Tasting hatten in etwa den selben Lehr-Wert wie Monate des mühsamen Selbststudiums in dieser Disziplin.

Highlight der Probe war ein 1959er Kloster Eberbach „Steinberger“ Riesling Spätlese. Ungemein fruchtig, erdig, intensiv-öliger Gaumen – dazu Jancis Robinson: „Majestic finish! Unlike today’s wines!“ Der Wein wurde einmal, nämlich 2000 neu verkorkt und hatte ansonsten in den uralten Gemäuern Kloster Eberbachs Zeit und Muße, sich zu diesem Riesling Monument zu entwickeln.

Ob nicht heutzutage ebenfalls Rieslinge gemacht werden, die dieses Alterungspotential und die Qualität aufweisen, um so groß zu werden, muss die Zukunft zeigen. Schwer vorstellbar jedoch, dass J.J. Prüm’s 94er Riesling Auslese Wehlener Sonnenuhr – als „Baby“ tituliert, oder Emrich-Schönleber’s Riesling Auslese Monzinger Halenberg 1999 in einigen Jahren nicht noch stark auftrumpfen werden. Schon jetzt wiesen diese Weine eine Opulenz und Balance auf, „which is fit for ages“.

Soweit einige Eindrücke von mir zu diesem Elite-Event. Gerne werde ich mir nächstes Jahr wieder den ein oder anderen Tag dafür freinehmen. Einen weiteren tollen Artikel zum Symposium findet ihr in dem Blog von Nikos Weinwelten.

Ich verabschiede mich mit einem herzlichen

think global – drink local🙂

Euer Thommy

Liebe Weinfreunde,

kurz nach Jahreswechsel quält alle die Frage: Was halten von und wie sich verhalten in 2011, dem Jahr vor dem Jahr 2012, wo laut Mayakalender die Welt untergehen soll – entweder durch Apokalypse oder einfach deswegen, weil die Kultur der Mayas nicht lange genug überlebte, um für danach neue Kalender zu schreiben. Mein Rat: Tun wir doch einfach das, worin wir von blindem Ehrgeiz und Gier getriebenen, kapitalistischen Mitteleuropäer am besten sind: Suhlen wir uns im Speck unserer asozialen Ignoranz!😉

Ob durch Engel oder Valkyren, wir werden alle sterben

Ob durch Engel oder Valkyren, wir werden alle sterben

Mich als alten Religionswissenschaftler kann das alles ohnehin nicht schocken, sehe ich doch hinter dem kryptisch-altgriechischen Wort Apokalypse vor allem seine Wortbedeutung „Offenbarung, Enthüllung“.

Mit dem zwiespältigen Jahrgang 2010 im Nacken über Straßen und Autobahnen wieder ins Weinwelt Rheingau Headquarter geschlittert meine ich darin die kommende Offenbarung dessen zu erkennen, was unsere geschätzten Rheingauer Winzer aus dem gezaubert haben, was die Natur sich letztes Jahr nur mühsam und geradezu tröpfchenweise abringen lassen wollte. Mit „gerade noch so“ vollem Lager habe ich mir daher für den März und April einen wahren Degu-Marathon quer durch den Rheingau verordnet, um die Perlen des Jahrgangs nicht nur identifizieren, sondern dann auch gebührend pushen zu können. Von mir erfahrt Ihr die Rheingauer Highlights 2011. Versprochen.

Apropros Lager: Immer dünner, jedoch immer schöner präsentiert sich die Restmenge dessen, was ich mir noch von dem genialen Künstler Herrnberg Riesling trocken 2009 sichern konnte. Hier würde der eine oder andere Panikkauf also durchaus Sinn machen.

Ein weiterer Kracher ist der 7€ Preis-Genuss-Gigant „Riesling QbA trocken“ von Fred Prinz, von dem ich kurz vor knapp noch was abgreifen konnte.

Im Blog von Niko’s Weinwelten begegnete mir dann zum Thema Bester Sekt 2010 vor kurzem die total richtige Einschätzung zum Georg Breuer 2005er Jahrgangssekt Brut mit dem noblen Porzellanetikett: „Wer will den noch vom Champagner unterscheiden?“ Ich hab es ja schon immer gewusst und so…

Gegen Frühjahrsmüdigkeit und Langeweile haben wir unser witziges Wein-Gesellschaftsspiel „Die Blindverkostung Part II“ unter dem Motto noch härter, noch besser. In einer Runde von 6-8 Leuten könnt Ihr Euch mit Spiel, Spaß, Spannung und völlig ohne Schokolade beweisen, wer den besten Gaumen 2011 besitzt.

Soweit das Neueste von meiner Seite – ich wünsche uns allen ein frohes neues Jahr 2011 voller Wein-Apokalypsos. Endzeitstimmung pur: Wenn 2012 wirklich Schicht im Schacht ist, noch bevor wir 2084 unseren Planeten regulär klimatisch zu Grabe getragen haben, soll uns zumindest keiner nachsagen können, wir hätten die Zeit bis zuletzt nicht intensiv genossen und genutzt.

Euer Hinterhof-Prophet Thommy

Liebe Weinschwestern und Brüder,

im Geiste der festlichen Zeit, und weil es ein geiles Jahr 2010 war, wollen wir von der Weinwelt Rheingau uns nicht lumpen lassen:

Wir sagen laut DANKESCHÖN für die vielen netten neuen Bekannten und Freunde, die uns in den Weiten des Web 2.0 ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben. DANKESCHÖN auch an alle jene, deren Interesse ich für unsere köstlichen Rheingauer Weine wecken konnte und die wir nun stolz zu unseren Kunden zählen dürfen.

Für alle, die Lust haben, uns mal anzutesten, gibt’s jetzt einen fröhlichen Weihnachtsgruß in Form eines 10€ Gutscheincodes.

wFGx1279 – einzulösen auf www.weinwelt-rheingau.de

Einfach mal reinschauen, ab in den Einkaufskorb mit worauf immer Ihr Lust habt und beim Bestellabschluss den Gutscheincode in das dafür vorgesehene Feld eingeben. Selbstverständlich kann der Gutscheincode nur einmal pro Person eingelöst werden. Es gibt keinen Haken bei der Sache – am besten, Ihr retweetet das Teil gleich weiter. Eure Freunde haben schließlich auch Durst🙂

Die Aktion läuft bis zum 10.12., also ran an den Speck!

Bleibt mir nur noch, Euch allen ein fröhliches Fest zu wünschen, einen guten Rutsch und alles erdenklich Gute für das neue Jahr 2011.

Euer Thommy

Immer wieder werden fruchtsüßen Spätlesen, Auslesen und aufwärts astronomische Alterungspotentiale bescheinigt. Wir vom Wein-Club Reblaus wollten es genau wissen und 3 Stichprobenartig ausgewählten, 34 Jahre alten Rheingauer Raritäten auf den Zahn der Zeit fühlen. Durch eine großzüzige Spende des treuen und fachkundigen Stammkunden der WWR, Herrn Ebert (83) aus Dortmund, seines Zeichens Rheingauliebhaber und Sammler seit Dekaden konnten wir auf drei bestens gelagerte und optimal erhaltene Flaschen aus dem guten Jahrgang 1976 zurück greifen. Herzlichen Dank dafür!

Heute und Gestern

Schloss Vollrads Rosagold Spätlese Riesling 1976

Den Anfang machte die 1976er Rosagold Spätlese von Schloss Vollrads. Dieser golden schimmernde Wein wirkte schon sehr gezehrt. Eine deutliche Petrolnote in der Nase, Paranuss, Champignon, Honig. Mit der Zeit verflog die Petrolnote etwas, und so wusste der Wein vom Geruch her durchaus zu betören. Am Gaumen jedoch sah das anders aus: Der Wein war nur noch ein Schatten seiner selbst, wirkte matt, wie ein Wein-Dinosaurier aus längst vergangenen Zeiten. Er war bitter, modrig, flach und schimmlig. Just look, don’t touch!

Gestern und Heute

1976er Langwerth von Simmern Erbacher Marcobrunn Riesling Spätlese

Weiter ging es mit dem 1976er Langwerth von Simmern Erbacher Marcobrunn Riesling Spätlese. Dieser Wein war mein persönlicher Favorit am Abend. Er war nämlich noch am Leben, und wie! Spannende Tabak-würzige Nase, reife Aprikose und Honig. Am Gaumen ein rassiges, 100% intaktes Säuregerüst und gut eingebundene, Karamellige Restsüße. Im Abgang wieder diese tolle Würze und warme, gereifte Frucht. Klasse. Sowas zur weißen Mousse au Chocolat oder zum Tiramisu – sicher ein Genuss. Bestimmt auch ein würdiger Partner für besonders würzige asiatische Küche. Leider hatte ich nur eine Flasche, also werde ich das nie ausprobieren können.

Den Abschluß bildete die 1976er Riesling Auslese aus dem weltberühmten Steinberg von Kloster Eberbach. Während die Nase betörend war, mit Akazienhonig, Tabak und Zuckerwatte, so wirkte der Eindruck am Gaumen zwar deutlich süß, aber irgendwie matt und unsauber, etwas „fassig“. Allein der bernsteinfarbene Glanz im Glas jedoch war die Kostprobe wert. Die übrigen Anwesenden schien der eindimensionale Eindruck am Gaumen nicht zu stören, und so wählten sie diesen Wein zum Sieger dieser absolut interessanten Kostprobe.

Sie zeigt, dass gut gelagerte, süße Spezialitäten aus Rheingau & Co. zwar lange Zeit überdauern, jedoch nicht ewig halten. Heute Weinen ein Alterungspotential von 50 und mehr Jahren zu erteilen scheint daher anmaßend, auch wenn für Eiswein und Trockenbeerenauslesen die Chance nochmal deutlich höher ist, diese nach menschlichem Ermessen zyklopische Periode unbeschadet zu überdauern.

Alt und Jung

1976er Steinberger Auslese Riesling von Kloster Eberbach